RUSSISCH 

In Laa an der Thaya wurde zum Gedenken an sowjetische Soldaten, die im Großen Vaterländischen Krieg gefallen sind, eine russisch-orthodoxe Kirche geweiht

30.09.2018
Julia Egger
Übersetzung: Wolfgang Kurka

Die Kirche und der sowjetische Soldatenfriedhof, in dem mehr als fünfhundert sowjetische Soldaten und Offiziere ruhen, die während des Krieges in der Stadt begraben worden waren und nach dem Ende der Feindseligkeiten in Österreich in den folgenden Jahren auf diesen sowjetischen Friedhof umgebettet wurden, wurden eine einheitliche Gedenkstätte. Die Namen von etwa der Hälfte der Begrabenen sind unbekannt. Der Friedhof wurde im Frühjahr 1945 angelegt. Kämpfer aus den Ortschaften Gaubitsch, Kleinbaumgarten, Neudorf bei Staatz, Fallbach und anderen wurden hier begraben.  

Unter den in Laa an der Thaya Begrabenen befindet sich auch Großvater des bekannten russischen Unternehmers Oleg Deripaska begraben. Timofej war erst 27 Jahre alt. Panzersoldat, Gardeunterleutnant, er fiel im April 1945. 

Die Kirche des Erzengels Michael wurde zum Gedenken an die sowjetischen Soldaten, die im Großen Vaterländischen Krieg gefallen sind, auf Initiative und mit Mitteln des Enkels des gefallenen Rotarmisten gebaut. Dieser ruht hier in einem Massengrab. 

  • Die Kirche und der sowjetische Soldatenfriedhof, in dem mehr als fünfhundert sowjetische Soldaten und Offiziere ruhen, wurden eine einheitliche Gedenkstätte
    Foto ©Julia Egger/FZ „Memory“

Die Genehmigung zum Bau einer orthodoxen Kirche in Laa an der Thaya wurde 2007 erteilt. Alle Bauarbeiten wurden vor kurzem abgeschlossen. Die Baumaterialien wurden aus Russland nach Österreich geliefert. 

Die Kirche ist 17 Meter hoch und 13x14 Meter groß. Die Kirche ist drei Viertel so groß wie ihr Vorbild, einem Meisterwerk der altrussischen Architektur im Gebiet Wladimir, die Kirche in Pokrov an der Nerl, die 1992 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Die Idee, eine Kopie dieser Kirche zu bauen, kommt vom Metropoliten Illarion, damals Bischof von Wien und Österreich.  

  • Die Prozession mit einer Reliquie der heiligen      Märtyrerin Lucia von Rom, die in den Altar  der neuen Kirche eingefügt wurde
    Video ©Julia Egger/FZ „Memory“

"Es ist wenig wahrscheinlich, dass viele Österreicher diese Kirche gesehen haben, jetzt bekommen sie die Gelegenheit, dieses Juwel der russischen Architektur zu besichtigen. Und unsere orthodoxen Gläubigen werden die Möglichkeit bekommen, hier für die Lebenden und für die Toten zu beten und damit das Gedenken an alle zu ehren, die während des Zweiten Weltkriegs gefallen sind, alle unsere Soldaten", sagte Metropolit Illarion bei der Weihezeremonie der Kirche.  "Diese Kirche wird nicht nur ein Schmuckstück unserer Diözese sein, sondern des gesamten österreichischen Landes, und viele, viele Menschen werden in dieser Kirche sowohl das Symbol unseres Glaubens als auch das Symbol unseres Vaterlandes sehen", sagte der Wolokolamsker Metropolit und Erzbischof von Wien und Budapest Antonij. 

Anwesend waren der russische Botschafter in Österreich, Dmitri Lubinski, Oleg Deripaska, der Klerus der Wiener und österreichischen Diözese und örtliche Einwohner. 

  • Die große Weihe wurde vom Vorsitzenden der Abteilung für Außenkirchenbeziehungen des Moskauer Patriarchats, Volokolamsker Metropolit Illarion und dem Erzbischof von Wien und Budapest Antonij zelebriert. Der Grundstein der Kirche wurde zu Beginn der Bauarbeiten von Metropolit Illarion geweiht, der damals Bischof von Wien und Österreich  war
    Foto ©Julia Egger/FZ „Memory“

Die Kirche zum Gedenken an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten ist nicht das erste gemeinnützige Projekt von Oleg Darispaska in Österreich: Die Firma "Basic Element" unterstützte zusammen mit anderen Förderern die Veröffentlichung des zweiten Erinnerungsbuches des Österreichers Peter Siksl "Sowjetische Bürger, die im Zweiten Weltkrieg in Österreich starben und begraben wurden" im Jahr des 70. Jahrestages des Sieges.  Das Buch enthält etwa 80.000 Namen sowjetischer Bürger, die auf österreichischem Boden begraben sind.   

  • Die Predigt nach der Weihe der Kirche
    Video ©Julia Egger/FZ „Memory“

Wir möchten daran erinnern, dass es zur Zeit in Österreich 227 bekannte Friedhöfe gibt, auf denen sowjetische Bürger begraben sind, die während des Zweiten Weltkriegs starben. Nach dem Staatsvertrag (Staatsvertrag betreffend die Wiederherstellung  eines  unabhängigen und  demokratischen  Österreich) zwischen Österreich und den Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition: der UdSSR, der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs und anderer staatlicher Rechtsakte  (Gesamte Rechtsvorschrift für Fürsorge für Kriegsgräber (1. und 2. Weltkrieg), Fassung vom Fassung vom 30.09.2018) verpflichtet Österreich sich, die auf seinem Territorium befindlichen Gräber von Soldaten, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern,  Denkmäler und Gedenktafeln auf diesen Grabstätten, Denkmäler zum Ruhm der alliierten Armeen, die in Österreich gegen Hitler-Deutschland gekämpft haben und die von den Alliierten und ebenso anderen Staaten der UN, die sich im Krieg mit Deutschland befanden errichtet wurden zu bewahren und zu pflegen.

  • Der sowjetische Soldatenfriedhof wurde komplett renoviert. Alle Grabsteine sind von biologischen und Schmutzschichten befreit, die Betonumrandung wurde durch Marmor ersetzt, Wege gepflastert , Gras gesät
    Foto ©Julia Egger/MZ „Memory“ 
     
  • Der sowjetische Soldatenfriedhof in Laa an der Thaya. Die 1970er Jahre
  • Der sowjetische Soldatenfriedhof in Laa an der Thaya. Die 1980er Jahre
  • Der sowjetische Soldatenfriedhof in Laa an der Thaya. 30. September 2018
    Foto ©Julia Egger/MZ „Memory“  
  • Der sowjetische Soldatenfriedhof in Laa an der Thaya. 30. September 2018 
    Foto ©Julia Egger/MZ „Memory“  

MEINUNG
Walter Bunzenberger, Laa an der Thaya, Russischlehrer:
- Diese einzigartige Kirche, die neben dem sowjetischen Friedhof und gegenüber dem österreichischen Gemeindefriedhof steht und dem Gedenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten gewidmet ist, ist bereits zu einem Symbol der Versöhnung und zum Symbol des Friedens für künftige Generationen geworden. Er erinnert an die Schrecken der Kriege des 20. Jahrhunderts und fordert zugleich eine friedliche Lösung aller Konflikte in der Zukunft. Dieses Bauwerk ist ein großes Geschenk für die Region und für ganz Österreich. Seine Schönheit ruft die freundlichsten, positivsten Gedanken bei den Menschen hervor, wie ich das schon mehr als einmal erlebt habe und bezeugen kann. Das Hauptziel des Baus der Kirche ist also erreicht.

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