27. DEZEMBER 1945

Газета Österreichische Volksstimme опубликовала заметку под заголовком "Die Jolka"... подробнее
Die Zeitung "Österreichische Volksstimme" veröffentlichte den Artikel 
"Die Jolka". 

  • Ausschnitt aus der Zeitung "Österreichische Volksstimme"/Sammlung "Memory"

DIE "JOLKA"

Gibt es in Russland  Weihnachtsbäume? Die Kinder, die in diesem Jahr bei der Roten Armee in Wien und in den Bundesländern zu Weihnachten zu Gäste waren, können darauf die Antwort geben: Jawohl, auch von den Russen wird der schöne Brauch der festlich geschmückten Tannenbäume zur Weihnachts- und Neujahrszeit eingehalten. Allerdings, die kirchlichen russischen Weihnachten fallen wegen des von der russisch ­orthodoxen Kirche noch eingehaltenen Julianischen Kalenders mit seinem Unterschied von dreizehn Tagen gegenüber dem Gregorianischen auf den 6. Jänner. Viele Leute stecken die Lichter am Weihnachtsbaum daher erst an diesem Tag an. Aber im Allgemeinen ist es Brauch, den Tannenbaum oder, wie es russisch  heißt, die „Jolka" für den Neujahrstag zu schmücken. Das Wort „Jolka" hat für alle Kinder in der Sowjetunion einen unwiderstehlichen Zauber. Sprecht das Wort aus, und ihr werdet sehen, wie die Augen der Kleinen glänzen!

  • 1945. „Väterchen Frost" (Djed Moros)im Zeremoniensaal der wienern Hofburg.
  • 2017. Zeremoniensaal der wienern Hofburg.

Schon Anfang Dezember wird in allen Familien, in denen es Kinder gibt, eifrig für den Tag gerüstet, an dem der Tannenbaum im Haus erscheinen wird. Baumschmuck und selbstgemachtes Spielzeug werden vorbereitet, und Pläne werden gemacht, wie das Fest am schönsten gefeiert werden soll. Die Spannung wächst, je näher der Tag rückt. Die Kinder wissen, dass es an diesem Tag Überraschungen aller Art, Spielzeug und Süßigkeiten, aber auch Festlichkeiten geben wird. Und noch etwas: Jolkazeit ist Freizeit. Am Einunddreißigsten abends werden die Lichter des Tannenbaums angesteckt, und am selben Tag beginnen auch die Winterschulferien, die zehn Tage dauern.

In dieser Ferienzeit gibt es in Moskau und in allen anderen Städten der Sowjetunion zahlreiche Festveranstaltungen für die Jugend und die Kinder: Konzerte, besondere Theateraufführungen, Spielnachmittage, Kinovorführungen, Bälle, Wintersportfeste. Und nirgends fehlt der traditionelle, festlich geschmückte Tannenbaum. Selbst auf den Plätzen Moskaus werden große Tannen aufgestellt, die im Lichterglanz erstrahlen und klein und groß anziehen. Berühmt und besonders beliebt ist Jolkafeier im großen Saal des Moskauer Gewerkschaftshauses, dem prächtigen „Kolonnensaal", der einst dem Moskauer Adel als glänzender Schauplatz seiner rauschenden Feste diente. Während der Neujahrszeit gehört er den Kindern.


  • 1945. „Jolkafest“ für wiener Kinder in der wiener Hofburg.  Diese Feste in Österreich veranstaltete die Rote Armee von 1945 bis 1954.

Und wer von den Moskauer Schulkindern zur „Jolka“ im Kolonnensaal eine Einlastkarten erhält, der schätzt sich besonders glücklich. Eine 12 bis 15 Meter hohe Tanne ans den ausgedehnten Wäldern der Umgebung von Moskau steht in der Mitte des Saales, sie selbst mit ihrem dichten Gestrüpp von Ästen und Zweigen fast ein kleiner Wald. Sie ist über und über behängt mit auserlesenem Schmuck und Spielzeug, und hunderte farbige elektrische Lämpchen tauchen sie in strahlendes Licht. Der große Saal, alle Nebensäle, das prächtige marmorne Stiegenhaus sind mit Dekorationen geschmückt, die Bilder aus der Märchenwelt bringen. Gestalten aus den russischen Volksmärchen — diese Rollen werden oft von hervorragenden Schauspielern gespielt — bewegen sich unter der jubelnden Menge der Kinder. Den Höhepunkt bei diesem Fest wie auch bei allen ähnlichen Festen bildet das Erscheinen von „Väterchen Frost", Djed Moros, dem russischen Weihnachtsmann.

  • 1945. General-Leutnant Nikita Lebedenko  bei der „Jolkafest“ der wienern Hofburg /Sammlung "Memory"

Ein Fest im Kolonnensaal hat mehrere tausend kleine Gäste, und es wird einige Male wiederholt, um möglichst vielen Kindern Gelegenheit zu geben, daran teilzunehmen. Solche Feiern für die Kinder gibt es um die Neujahrszeit in Moskau sehr viele. Jeder Betrieb, jedes Amt veranstaltet seine eigene Feier für die Kinder der Arbeiter und Angestellten. Ein schöner Brauch, der sich während des Krieges einbürgerte, ist ferner, dass viele Familien Waisenkinder des Krieges als Gäste zum Fest in ihr Haus einladen.

Man hat den lichtergeschmückten Tannenbaum zwar auch schon im alten Russland  gekannt. Aber erst das neue Russland  hat die „Jolka" zum Mittelpunkt eines so großen, fröhlichen und strahlenden Kinderfestes gemacht, wie es heute geworden ist.

  • 1945. Geschenkpapier der Roten Armee. Die Geschenke wurden für wiener Kinder und für Kinder in anderen sowjetischen Besatzungszonen zu Verfügung gestellt /Sammlung "Memory"

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